Category Archives: Art & Culture

Artus – Tischlos unglücklich

Meine Zweifel begannen schon im Foyer. Der rosa-blaue Felsen mit Schwert wartete darauf, von Zuschauern und Darstellern bespielt zu werden und tatsächlich: die Kunst begann mit einem Bad in der Menschenmenge. „Wer ist eigentlich dieser Merlin“ wurde da geflüstert, und zu welcher Zeit hat sich das alles zugetragen? Merlin (Caroline Dietrich), der Sohn des Teufels, der seinem Vater nicht gehorchen will, sucht einen Fähigen. „Rolf“ und“ Klaus“ aus den Reihen der Premierengäste versuchen, das Schwert aus dem Stein zu ziehen und bekommen so kluge Sätze zu hören, wie: „Rolf, du musst an dich glauben“ und dann die Erkenntnis „Rolf, du bist es leider nicht.“ Bereits nach kurzer Zeit ein unaufhaltsamer Rutsch in die Platitüden, aus denen sich die Inszenierung nicht mehr befreien konnte.

Am Staatstheater Kassel hatte am Samstag „Merlin oder Das wüste Land“, von Tankred Dorst 1979 geschrieben und hier in der Regie von Marco Storman zu sehen, Premiere. Gleich vorweg: das Buch kenne ich nicht, aber die Inszenierung war technikverliebt, langatmig und bewegte sich inhaltlich auf dünnem Eis. König Artus, der Auserwählte, fürchtet sich vor der großen Aufgabe König zu werden, klagt er habe nicht genug Vorstellungskraft und rennt in den Zuschauerraum. So flehend: „ich kann nicht vorausschauen…ein König muss doch vorausschauen können“ und zögerlich wie ihn Jürgen Wink spielt, glaubt man ihm das immerhin sofort. Die nächsten fünfzehn Minuten vergehen damit, dass man als Zuschauer bei lauter Musik seinen Sitzplatz einnimmt, sich fragt, was einem die Projektionen erzählen (sollen) und das treiben der Darsteller in diesem vollgestellten Bühnenraum, der seitlich in den Zuschauerraum hineinragt, beobachtet. Da werden Körper vermessen und wird allerlei hin und her sortiert.

Das Bühnenbild von Demian Wohler ist ein großer pompöser Akt, der im Fazit aber leider wenige Spiel- und Wandlungsmöglichkeiten bietet. Da gibt es große und kleinerer Bildschirme überall verteilt – für spätere Videoliveschaltungen und Filmeinspielungen von Schlachtszenen – , silberne Regale die ein Kuriositätenkabinett bilden, ein DJ-Pult rechts und oben mittig eine grelle Neonröhren-Beleuchtungsanlage. Verkehrt herum im Mantel steckend, bittet König Artus darum, dass man ihm einen Tisch baue, wird gerätselt wie groß ein Tisch für 100 Ritter sein müsste und philosophiert, was die Vorteile eines runden Tisches sind – “einem Tisch an dem alle gleich sind”.  „Glauben sie an den Fortschritt…es gibt Tischregeln.“ So sehr ich mir Mühe gebe, mein Glaube an die Kraft dieser Inszenierung beginnt zu schwinden. Statt den Tisch bauen zu lassen, heiratet Artus Ginevra, weil diese als Mitgift einen passenden Tisch mit in die Ehe einbringt.  Gespielt wird die Königen von Eva-Maria Keller, die an diesem Abend einige Regieeinfälle über sich ergehen lassen muss und am Ende halb nackt und hilflos von Parizival/Mordred (in beiden Rollen verschmolzen Marius Bistritzky), dem unehelichen Sohn Artus –  der zwar an das Gute in sich glauben will, sich aber von seiner Wut zum zweiten Mal übermannen lässt und zuvor seinen Vater kaltblütig ermordet hat, sexuell belästigt wird. Der eigentlich interessante Handlungsstrang rund um Ginevras leidenschaftlicher Affäre zu Sir Lancelot (Lukas Umlauft), dem treuen Freund des Königs, wird zwar erzählt, geht aber in den Albernheiten der Szenen unter. Der Männerbund der Tafelrunde, der sich in der Politik ja doch irgendwie fortsetzt, wurde (leider?) gleich gänzlich gestrichen. In Aktualisierungen kann man sich zugegebenermaßen ebenfalls schnell verrennen, aber vielleicht hätte das Thema doch etwas zum Inhalt beitragen können?!

Schließen wir mit Artus Gedanken: „Werden Ideen auch alt?“ Leider ja, und die Regie sollte Castorfs Stil nicht gedankenlos fortführen, ohne ein klares Ziel zu verfolgen. „Der Löwe frisst Gras.“ Nun ja… was genau Artus damit meint, weiß er selbst nicht. Es sei nur ein spontaner Einfall gewesen. Das lässt sich leider ebenfalls auf das Regiekonzept übertragen. Die viel zu lauten, langen filmischen Szenen, den Theaternebel und den mit meinen Augen gesehenen blauen Kuschelkaktus mit gelben Stacheln – in Wahrheit ist es ein Zwergplanet, aber was ist schon die Wahrheit – lasse ich unkommentiert. Was solls. Alles nur Einfälle, die eben nicht gezündet haben. Ich will der Kunst keinen Sinn aufzwängen, aber dass die Kritik keinen Hehl daraus macht die Langeweile zuzugeben, mag mir die Kunst bitte nicht übel nehmen.

Weitere Vorstellungen am 19.01., 20.01., 23.01., 04.02., und 15.02.2018, jeweils 19:30 Uhr im Schauspielhaus des Staatstheaters Kassel.

 

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German Hoop Convention 2017

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Hi Hoopers,

just a quick summary of the German Hula Hoop Convention in Hannover this summer. It was my first retreat ever and I was so excited to finally meet some of my favorite teachers, Deanne Love (from Australia) and Babs Robins (from Canada) among them, in workshops. It was a true gift and so inspiring to share the joy of hooping with about 200 other hoopers from Germany, Europe and around the world. It‘s all about learning and steeling tricks! You see something, you wonder how they do it and you ask. I managed to learn easy duck outs and flow combinations and couldn’t help but wonder how Geoffrey Szuszkiewicz is doing all the head hooping. Learnd that joggling is way easier than on body hooping and I bought myself a third new hoop. 😉 This hoop is a polypro dance hoop that’s awesome to play with. First time I taped it myself. More glitter in my life. YEAR! If you are about to tape a hoop for the first time yourself, check out some of the  helpful youtube clips. I would totally recommend to join the retreat in Hannover next year or any other retreat that might happen in your region. It’s the best thing you can do, if you wanna push your hooping tot he next level. If you now about awesome hoop retreats that you would recommend, please let me know! I’m looking forward to travel a bit and meet more talents.

With hooplove,

Corinna

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German Hoop Convention Group Pic 2017
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Geoffrey Szuszkiewicz (left) teaching head hooping
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Me with Glitter from Deanne Love 🙂
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Warm Up with Jane Fondle at 9 am
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Streetching and Chilling
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Training
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LED Flash Hoop downtown

German Hoop Convention 2017

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Hi Hoopers,

I’m so excited to join the German Hoop Convention in Hannover this upcomin weekend. It’s my first time. I’m still a beginner, but can’t wait to finally meet some of the best hoopteachers like Deanne Love or Babz Robinson (know them from youtube) and all the great people, I share the same passion with. No worries, that I need to drive to Kiel for a job interview tomorrow at first…if I’m down afterwards I will hoop the worries off this weekend until I’m happy again. If it works out, it would be cool, because I would really love to work for a dance company as an assistant.

Sommerliche Grüße aus Germany!

Theater der Welt Hamburg 2017

Gleich mal vorne weg: Ein Theaterfestival geht in einer Stadt wie Hamburg an einem sonnigen, verlängerten Wochenende gnadenlos unter. Die Leute quetschen sich auf die nächste Fähre gen Neumühlen und wollen am Elbstrand Bratwurst und Bier genießen oder an den Landungsbrücken Eis schlecken, oder oder oder…wen interessiert es eigentlich, dass hier gerade ein internationales Theaterfestival stattfindet? Sieht jemand die wenigen Plakate und Hinweiseschilder, die ich als theaterbegeisterte Besucherin oft vergeblich gesucht habe?! Ich habe also meinen Sonntag in Hamburg verbracht und mir gute sechs Stunden Theater angeschaut. Los ging es auf Kampnagel mit der Produktion “The Gabriels: Election year in the Life of one Family” des Public Theaters aus New York in der Regie von Richard Nelson. Was wurden da im ersten Teil Zwiebeln, Auberginen und Tomaten geschnippelt für das Ratatouille, Brot in Echtzeit gebacken, Salat gewaschen und angerichtet und Äpfel für den Apfel-Crumbel geschält. Mary Gabriel, gespielt von der wunderbaren Marylann Plunkett, really likes to make things und richtig: “you only learn by doing.” Wir Zuschauer lernen die interessante Nebenhandlung der Beziehungsverstrickungen und Gedanken zur politischen Entwicklung des Landes (USA) also nebenbei kennen, während wir in der Haupthandlung gefüllt selbst die Äpfel für den Crumble schälen. Das ist purer Theaterrealismus, der einen bisweilen einlullt und doch bei Laune hält. Denn man mag sie irgendwie, diese Gabriels, die ganz bodenständig und typisch amerikanisch daher kommen und (doch) etwas zu sagen haben, wenn man ihnen nur lange genug zuhört. Die Mittelschicht hat eine (politische) Meinung, sie wird eben nur oft nicht gehört, weil es erstmal lange Zeit nur um ganz “banalen” Lebensalltag geht, der gemeistert werden will. Im zweiten Teil  werden Nudeln gekocht, Kartoffeln für einen Kartoffelsalat geschält, George Gabriel, gespielt von Jay O. Sanders, macht eine leckere Guacamole und so weiter und sofort…nur gegessen wird nicht! Auch nach 3 Stunden hat noch keiner einen Bissen runter gekriegt. Stattdessen ist das Picknick für morgen vorbereitet und wandert in den vom Zuschauer bereits verhasten großen amerikanischen Kühlschrank (wieviele Zutaten sind da eigentlich drin, verdammt nochmal???). Man redet weiter über den verstorbenen und doch allseits präsenten geliebten Ehemann und Vater Thomas Gabriel. Auf einer Metaeben geht es zudem einerseits um Hillary Clinton und Donald Trump und andererseits Herman Melville und Nathaniel Hawthorne. Was die amerikanische Kultur und ihren Mythos vom Melting Pot im Innersten zusammenhält und/oder doch auch spaltet, bleibt merkwürdig unkonkret. Es ist ihnen fremd, diesen Amerikanern, einen mal vor den Kopf zu stoßen und den theatralen Bruch zu wagen…sie integrieren uns Zuschauer lieber bis zur Unerträglichkeit. Man bleibt dran…man will ja unbedingt verstehen, warum dieses Land so gewählt hat. Die Gabriels, als exemplarische amerikanische Familie, sind eine gute Versuchanordnung auf dem Theater, um die Umstände einiger weniger Menschen in einer so vielfältigen Gesellschaft, wie wir sie in den USA vorfinden, zu beschreiben. Keine Schwarz-Weiß-Malerei, keine Antworten…den dritten Teil konnte ich mir leider nicht mehr geben, weil ich mir im Kakaospeicher “An Act of now” von Chunky Move/Anouk van Dijk angesehen habe. Völlig anderes Theatererlebnis. Visuell überfordern und aufregend. Um die 550 Zuschauer mit Kopfhörern ausgestattet, werden in eine rießige Halle geleitetet. Stimmen flüstern einem Gedanken in die Ohren, während man sich mit der dunkel gekleideten Theatermasse durch den Nebel bewegt. “Don’t panic.  Don’t panic! You have to aks permission.” Nach einer kurzen zurückgelegten Strecke ist um die Ecke ein Glashaus zu sehen. Dahinter eine Tribühne von Stühlen, auf denen wir Platz nehmen sollen. Nun also doch eine Beobachterposition einnehmen, die eine klare Trennung zwischen Akteuren und Zuschauern formuliert. Schade. Es folgen Eineinhalbstunden energiegeladener Tanz von sieben Tänzer/innen in einem relativ kleinen Glashaus, zu dem ich als Zuschauer über meinen Kopfhörer einen vermeintlich “direkten” Draht habe. In den stärksten Momenten wirken die Tänzer/innen wie in extreme Bewegungen versetzte Kieselsteine, die im Treiben der Wellen immer wieder an Land gespült werden. Kopf, Arme und Beine drehend und sich im Kreis in einer Drehbewegung fortbewegend. In nicht enden wollenden Zirkeln aus Sprüngen und Hebungen in einem sehr begrenzten Raum, in dem jeder auf den anderen achten muss. Der Einsatz des Lichts und die an der linken Seite der Fabrikhalle erzeugten Schattenreflektionen der Tänzer/innen erinnern plötzlich an die Trainingssituation im Tanzstudio, bei der sie sich abmühen und doch nur Schatten ihrer selbst sind. Tänzer/innen die nicht als Individuen und Künstler wahrgenommen werden, sondern als bloße Körper. Körper, die als Grundlage das Material bilden, mit denen sich ein Choreograf auszudrücken versucht. Gesichter, die sich an die Glasscheiben des Hauses drücken und schreien, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben. Mehrmals habe ich meine Kopfhörer beiseite geschoben und überprüft, was mir die Realität erzählt…was höre ich in dieser Halle…wie direkt kann ich die sich abarbeitenden (Tänzer)Körper wahrnehmen. Verfalle ich zu sehr der Kraft der Dramaturgie der Tonspur(en)? Wie verhält es sich hier mit “Innen” und “Außen” und wann bin ich ausgestiegen und hatte sich der Effekt überholt? Denn so war es…Fragen über Fragen.

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Workshop mit den Kulturfritzen

Ich wollte gerne noch über einen Workshop mit den Kulturfritzen berichten. Der fand Sonntag Morgen, ebenfalls im Rahmen der Konferenz Theater und Netz Vol. 5 statt. Das tolle an so einen Praxisworkshop, für den man nur eine Stunde Zeit hat und bei dem ganz unterschiedliche Leute zusammenkommen, ist, dass man in minimaler Zeit, den bestmöglichen Output anstrebt. Man spinnt einfach mal, was möglich wäre, wenn keiner sagt: “Nee…zu teuer, zu zeitaufwendig, wer soll das machen…” Die Intro der Kulturfritzen, alias Anne Aschenbrenner & Marc Lippuner, war deshalb kurz und knapp und an unserem Tisch haben wir im Fünferteam ergebnisorietiert eine kleine Projektidee entwickelt. Bereits am Samstag hatten andere Teilnehmer verschiedene Punkte gesammelt, die sich verschiedene Akteure (Publikum, Marketing, Blogger, Theatermacher) wünschen. Die Marketingabteilung z.B. wünscht sich mehr Diskurs, die Zuschauer wünschen sich einen einfachereren Kartenverkauf, die Blogger wünschen sich kreative Kooperationen und die Schauspieler/innen wünschen sich, dass mehr über sie gesprochen wird. Zummindest waren das die Antwortkarten, die uns zum arbeiten zugeteilt wurden. Dazu drei Kanäle: Facebook, Instagram und Playbuzz. Playbuzz kannt keiner von uns und dieses Kärtchen haben wir beiseite gelegt. Lektion 1: Nutze keine Kanäle, deren Funktionsweise Du nicht kennst. Also dann, wie stellt man das an? Unsere Aufgabe war es, innerhalb von 15 Minuten unter Verwendung von Facebook und Instagram einige Ideen zu entwickeln, welche diese Wünsche verwirklichen (könnten). Nicht so einfach. Wir haben uns dann ausgedacht, dass wir gerne verschiedene Blogger aus der Beauty- und Fashionszene einladen wollen, verschiedene Produktionen vorab exklusiv zu begleiten, um darüber zu berichten. (Die Kollegin vom Schauspiel Zürich konnte über interessante Erfahrungen berichten!) Ganz im Sinne kreativer Kooperationen und mehr Diskurs. Den einfachen Kartenverkauf könnte man evt. über Last-Minute-Kontingente via facebook einlösen. Auch eine “Blinde-Date-Gruppe” auf facebbok fanden wir gut, um Leuten die gerne ins Theater gehen, aber eben nicht allein, zu ihrem Glück zu verhelfen. Außerdem könnten doch Schauspieler/innen auf Instagram selbst Fotos von Proben posten, oder? Dann bestimmen sie endlich mal selbst das Bild und wie sie ins Licht gerückt werden. A la: “Schaut mal: Das ist das Ballkleid, dass ich in unserem neuen Weihnachtsmärchen tragen werde…ist zwar sehr phantasievoll, aber ich weiß nicht, wie ich mich darin bewegen soll.” Wir waren uns einig darin, dass eine Öffnung hin zu neuen Inhalten in den sozialen Medien mit einem (kleinen?) Verlust des geschützen künstlerischen Probenzeitraums einher geht. Es ist dann eben nicht mehr alles bis zur Premiere top secret. Auch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass sich nicht kontrollieren lässt, worüber die Blogger schreiben werden, wenn man sie einlädt. Wie im Journalismus, muss man ihnen diese Freiheit einräumen und daran müssen sich vorallem die Intendanten noch gewöhnen. Denn der Hinweis, dass wir Theatermitarbeiter/innen auf den Kanälen der sozialen Medien so schreiben, als würden die Sachen gedruckt werden, scheint mir sehr berechtig. Das führt dann dazu, dass Ausschnitte aus den Pressemitteilungen bei facebook gepostet werden und das funktioniert einfach nicht. Perfektionismuss macht auf diesen Kanälen ebenfalls keinen Sinn. Da wird über Meinungen/Eindrücke/Geschmack so geschrieben, wie gequatscht wird, und deshalb lesen die Leute es so gern…ganz nebenbei…im Zug, im Bus und in der Pause. Die anderen Teams haben übrigends die Entwicklung von “Visual Walks unter Verwendung von Drohnen” vorgeschlagen (diese Technik ist ja jetzt so günstig verfügbar), die von Zuschauern im Snapchatkanal bespielt werden oder “VR-obt” mit uns, eine VR-Proben-Erfahrung für Zuschauer, damit die auch mal erleben, wie anstrengend Proben sind (VR= Virtuell Reality). Freies Brainstorming ist wirklich eine super Sache. Viel effektiver als nicht endenwollende Sitzungen, in denen sich doch keiner traut mal was Neues vorzuschlagen, weil der Chef die Idee ja blöd finden könnte. Einfach mal machen, nehme ich als Impuls aus diesem Workshop mit. Merci an alle kreativen Teilnehmer, deren Namen ich nicht mehr auf dem Schirm habe. Schön wars!

PS: Playbuzz ist eine Plattform mit der man interaktiv Geschichten erzählen kann.

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Ideen unseres Fünferteams

Was ist ein Frame? Theater und Netz Vol. 5

Einen der interessantesten Sätze, von denen die ich gehört habe, hat heute Klaus Lederer (Senator für Kultur und Europa, Berlin) gesagt: “Man muss auch in meinem Beruf die Möglichkeit des absoluten Scheiterns haben.” Dieser Satz ist im Kontext der Abschlussdiskussion des ersten Tages der Konferenz “Theater und Netz” und vor dem Hintergrund gefallen, dass wir das Recht zu scheitern für Kunst/Künstler einfordern, aber das auch für andere gelten sollte. Die Realitäten (und Fördermöglichkeiten) sind komplex. Der Mann hat Recht, denn Politiker stehen vor großen Aufgaben und den Titel Senatur für Kultur und Europa (Europa!) zu tragen, kann sicher eine Last sein. Die Erwartungen sind hoch. Um so spannender, dass Klaus Lederer gekommen ist und sich von seiner Neugierde treiben lässt.

Theater und Netz Vol. 5 – Behauptungsmaschinen: Fake, Fakten und Fiktionen. Das Feld wird schon seit einiger Zeit beackert. Die Theater haben (vermeindlich?) die Digitalisierung verschlafen (es stimmt wohl leider). Sie stehen in der Kritik museal zu bewaren, statt sich proaktiv mit dem gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fortschritt zu befassen. Virtuelle Welten, selbstfahrende Autos, Framing, Social-Media-Guidelines,…was haben all diese Themen mit Theater zu tun? Überspitzt gesagt, sitzen die überwiegend alten Intendanten/innen fest im Sattel, bestimmen was auf dem Spielplan steht und wollen möglichst jeden Satz vorher abgesegnet haben, obwohl sie nicht mal ein Smartphone richtig bedienen können. Die Dramaturgen sind viel zu zögerlich und Überforderung macht sich breit, angesichts der immer neuen digitalen Kanäle, die man nicht zu bespielen weiß. Den FSJlern in der Presseabteilung will man das Feld, die Inhalte für die facebook-Seite des Theaters gleich selbst zu produzieren, aber auch nicht alleine überlassen, denn die verstehen ja “vermeintlich” zu wenig von der Institution Theater, in der sie gelandet sind. Da posten die Pressemitarbeiter dann doch lieber selbst leidenschaftslos ein Mal pro Woche Premierenankündigungen auf facebook, die die meisten fallower aber wahrscheinlich mega langweilig finden werden. Alles viel zu vereinfacht und stimmt natürlich so nicht.

Frau Prof. Weling hat in ihrem Vortrag sehr klug dargelegt, dass ich mit dieser ironischen gemeinten Bestandsaufnahme leider nur dazu beitrage den Frame (hier: die Theater haben die Digitalisierung verschlafen) zu verankern. Alles klar!??? Nein, ich glaube, ich habe es noch nicht ganz begriffen, wie das mit dem Framing funktioniert. Metapher -Frame – Narrativ (eine Aneinanderreihung von frames). Nehmen wir ihr Sprachbeispiel “Flüchtlingswelle”. Der Frame wäre hier die Welle/Naturkatastrophe. Die Sprache impliziert eine vermeintlich Belastung. Einen Frame zu negieren bedeutet, ihn zu aktivieren. Wenn ich also etwas anderes erzählen will, dann brauche ich einen neuen Frame – ergo zum Beispiel: Die Theater treiben die Digitalisierung voran, weil sie mit Hackern, Programmierern und Neurowissenschaftlern Banden bilden. So, oder so ähnlich. Wäre doch schön.

Wie sagte Lukas-C. Fischer von der Internetredaktion der Heinrich-Böll-Stiftung heute so schön: Der Mensch hat inzwischen nur noch eine Aufmerksamkeitsspanne von 7 Sekunden (der Goldfisch hat 8 Sekunden). Die jungen Leute suchen im Internet nach den Dingen so, wie sie sprechen, aber sie (die Theatermitarbeiter) schreiben im Internet so, als würden die Texte gedruckt werden. Youtube und Co funktionieren aber quassi wie ein sprechendes Selfie. Wie wir die Digitalisierung und andere gesellschaftliche Entwicklungen im Theater konkret und physisch erfahrbar machen und daraus einen Nutzen ziehen können, darüber gilt es weiter nachzudenken. Derweil forschen sie in den USA schon daran, wie man dem Menschen die Notwendigkeit zu schlafen austreiben kann, damit diese 24/7 Welt endlich wie geschmiert läuft. Ich sag nur eins: ich weiß, dass dieser Post zu lang ist und ich bin müde. Ich freu mich auf den zweiten Konferenztag morgen!

 

Spaziergänge durch Paris

Ich habe Zweitausendsieben in Paris gelebt und das ist schon eine Weile her. Die Stadt hat seitdem viel erlebt und dennoch kommt man am Gare de l’Est an und alles ist ganz entspannt. Ich bin letztes Wochenende durch St. Martin spaziert und kreuz und quer durch die Stadt. Der Place de la Republique ist jetzt geflastert und an der Seine sind die Uferstraßen – die Hauptverkehrsadern – nicht mehr nur im Sommer für einen Monat, sondern das ganze Jahr über gesperrt. Aus aller Welt reisen sie an, um dort spazieren zu gehen und ein Glas Wein bei Sonnenuntergang zu trinken. St. Chapelle, die Katakomben und das Musée de l’ Orangerie habe ich neu für mich entdeckt. Man kann in Paris wie immer hervorragend frühstücken und essen gehen. Für Courbevoir – mein altes Viertel – gibt es einen Stadtentwicklungsplan, inklusiver neuer Nahverkehrsanbindung. Es tut sich viel und für mich als Außenstehende herscht positive Stimmung, aber die Pariser sind nervös. Nach Trump ist sich keiner mehr sicher, ob Marin le Pen morgen nicht doch gewinnen könnte… Wenn man im Jardin des Tuilleries sitzt und die “Welt” beobachtet, hält man das nicht für möglich, aber wer weiß. Es gibt auch eine große unausgesprochene Enttäuschung, Ratlosigkeit, Überforderung und Müdigkeit. Man sieht das in den Gesichtern in der Metro. Ich werde morgen viel an unser Nachbarland denken…