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Was ist ein Frame? Theater und Netz Vol. 5

Einen der interessantesten Sätze, von denen die ich gehört habe, hat heute Klaus Lederer (Senator für Kultur und Europa, Berlin) gesagt: “Man muss auch in meinem Beruf die Möglichkeit des absoluten Scheiterns haben.” Dieser Satz ist im Kontext der Abschlussdiskussion des ersten Tages der Konferenz “Theater und Netz” und vor dem Hintergrund gefallen, dass wir das Recht zu scheitern für Kunst/Künstler einfordern, aber das auch für andere gelten sollte. Die Realitäten (und Fördermöglichkeiten) sind komplex. Der Mann hat Recht, denn Politiker stehen vor großen Aufgaben und den Titel Senatur für Kultur und Europa (Europa!) zu tragen, kann sicher eine Last sein. Die Erwartungen sind hoch. Um so spannender, dass Klaus Lederer gekommen ist und sich von seiner Neugierde treiben lässt.

Theater und Netz Vol. 5 – Behauptungsmaschinen: Fake, Fakten und Fiktionen. Das Feld wird schon seit einiger Zeit beackert. Die Theater haben (vermeindlich?) die Digitalisierung verschlafen (es stimmt wohl leider). Sie stehen in der Kritik museal zu bewaren, statt sich proaktiv mit dem gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fortschritt zu befassen. Virtuelle Welten, selbstfahrende Autos, Framing, Social-Media-Guidelines,…was haben all diese Themen mit Theater zu tun? Überspitzt gesagt, sitzen die überwiegend alten Intendanten/innen fest im Sattel, bestimmen was auf dem Spielplan steht und wollen möglichst jeden Satz vorher abgesegnet haben, obwohl sie nicht mal ein Smartphone richtig bedienen können. Die Dramaturgen sind viel zu zögerlich und Überforderung macht sich breit, angesichts der immer neuen digitalen Kanäle, die man nicht zu bespielen weiß. Den FSJlern in der Presseabteilung will man das Feld, die Inhalte für die facebook-Seite des Theaters gleich selbst zu produzieren, aber auch nicht alleine überlassen, denn die verstehen ja “vermeintlich” zu wenig von der Institution Theater, in der sie gelandet sind. Da posten die Pressemitarbeiter dann doch lieber selbst leidenschaftslos ein Mal pro Woche Premierenankündigungen auf facebook, die die meisten fallower aber wahrscheinlich mega langweilig finden werden. Alles viel zu vereinfacht und stimmt natürlich so nicht.

Frau Prof. Weling hat in ihrem Vortrag sehr klug dargelegt, dass ich mit dieser ironischen gemeinten Bestandsaufnahme leider nur dazu beitrage den Frame (hier: die Theater haben die Digitalisierung verschlafen) zu verankern. Alles klar!??? Nein, ich glaube, ich habe es noch nicht ganz begriffen, wie das mit dem Framing funktioniert. Metapher -Frame – Narrativ (eine Aneinanderreihung von frames). Nehmen wir ihr Sprachbeispiel “Flüchtlingswelle”. Der Frame wäre hier die Welle/Naturkatastrophe. Die Sprache impliziert eine vermeintlich Belastung. Einen Frame zu negieren bedeutet, ihn zu aktivieren. Wenn ich also etwas anderes erzählen will, dann brauche ich einen neuen Frame – ergo zum Beispiel: Die Theater treiben die Digitalisierung voran, weil sie mit Hackern, Programmierern und Neurowissenschaftlern Banden bilden. So, oder so ähnlich. Wäre doch schön.

Wie sagte Lukas-C. Fischer von der Internetredaktion der Heinrich-Böll-Stiftung heute so schön: Der Mensch hat inzwischen nur noch eine Aufmerksamkeitsspanne von 7 Sekunden (der Goldfisch hat 8 Sekunden). Die jungen Leute suchen im Internet nach den Dingen so, wie sie sprechen, aber sie (die Theatermitarbeiter) schreiben im Internet so, als würden die Texte gedruckt werden. Youtube und Co funktionieren aber quassi wie ein sprechendes Selfie. Wie wir die Digitalisierung und andere gesellschaftliche Entwicklungen im Theater konkret und physisch erfahrbar machen und daraus einen Nutzen ziehen können, darüber gilt es weiter nachzudenken. Derweil forschen sie in den USA schon daran, wie man dem Menschen die Notwendigkeit zu schlafen austreiben kann, damit diese 24/7 Welt endlich wie geschmiert läuft. Ich sag nur eins: ich weiß, dass dieser Post zu lang ist und ich bin müde. Ich freu mich auf den zweiten Konferenztag morgen!

 

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On how it is to sell a Newspaper like a homeless person – Selbstversuch als Straßenzeitungs-verkäuferin

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Konferenz der Dramaturgischen Gesellschaft 2016

 

Erfahrungsbericht zum Praxisworkshop Im Stadtraum – Wir machen den Weg frei mit der Berliner Choreografin Helena Waldmann

von Corinna Weber

Stellenanzeige:
“Die Gmunder Festwochen suchen für die Aufführung von Cosi fan tutte professionelle Sänger. Wir können Ihnen leider kein Geld bieten aber eine kostenlose DVD von der Aufführung.”

(Quelle: ARTbutFair)

Im Rahmen der Konferenz der Dramaturgischen Gesellschaft habe ich an einem Praxisworkshop mit der Berliner Regisseurin und Choreografin Helena Waldmann teilgenommen. Ausgangspunkt waren vier von ARTbutFAIR gesammelte, unangemessene (unverschämte?) Stellenausschreibungen, entsprechend dem vorangestellten Beispiel, und der im Januar 2016 von Intendant Christoph Nix in der Süddeutsche Zeitung veröffentlichte Artikel: Bretter, die kein Geld bedeuten. Helena Waldmann richtete zwei Fragen an uns: Wie schwer ist es heute von der Kunst zu leben und wird Kunst als Arbeit anerkannt?

In unserer kleinen Gruppe mit ca. 10 Beteiligten waren wir uns vom Chefdramaturgen bis zum Pressesprecher ziemlich einig, dass viele unserer KollegenInnen (Tänzer, Schauspieler, Dramaturgen) und zum Teil auch wir selbst ganz aktuell am/unter dem Existenzminimum leben. Kunst wird als Arbeit, bedenkt man unsere Universitätsabschlüsse, nicht angemessen vergütet. Ich persönlich würde sogar sagen, dass Kunst als Arbeit von Teilen der Gesellschaft nicht ernst genommen wird. Die Menschen, die Kunst als Arbeit schon irgendwie ernst nehmen und uns glauben, dass wir an der Belastungsgrenze angekommen sind, argumentieren wahlweise mit Sätzen, wie:
„Ja, aber Du wusstest ja, worauf Du Dich eingelassen hast bei der Studienwahl (…)“
„Damit kann man eben kein Geld verdienen, aber immerhin hast Du Freude an der Arbeit.“
oder
„Dann überleg doch mal, ob Du Dir nicht doch etwas anderes vorstellen kannst als Theater. Die Zeiten werden ja nicht besser.“
In solchen Äußerungen schwingen eine Anklage bezüglich der unklugen Wahl des Studienfaches, eine Abwertung der Studienleistungen aufgrund der vermeintlich selbstverschuldeten, problematischen beruflichen Situation und bisweilen eine negative Bewertung dessen, was man zum Wohlstand dieser Gesellschaft und zum Gelingen des sozialen Gefüges beiträgt mit. Wir Künstler liegen den Anderen auf der Tasche?! Ich bin diese Gespräche leid und muss als Dramaturgin wirklich lernen, mich entsprechend Helena Waldmanns Impulsgedanken, wie eine Bankerin zu verhalten und meine Künstler und mich selbst so gut zu beraten, dass wir nie wieder in die Falle tappen Energie, Ideen, Zeit und Nerven zu investieren, ohne nicht selbst dabei Geld zu verdienen. Denn von der Freude an der Arbeit und der Hoffnung auf Anerkennung und Erfolg kann ich meine Miete nicht bezahlen. Ich war in diesem Praxisworkshop also genau richtig.
Helena Waldmann hatte gelesen, dass sich das Klientel von Leuten, die die Berliner Obdachlosenzeitschrift Motz verkaufen zunehmend verändert. Es seinen nicht mehr nur Suchtabhängige oder in anderer Form ausgegrenzte Menschen, die diese Zeitung verkaufen wollen, um sich etwas dazu zu verdienen, sondern verstärkt auch Menschen mit künstlerischem / besserem Bildungshintergrund. Der folgende Artikel gibt entsprechende Einblicke. Darüber wollten wir gerne mehr in Erfahrung bringen und in einem Selbstversuch die Obdachlosenzeitung in der U-Bahn verkaufen. Ein konkretes Handeln, das man theoretisch als aktuellen Prozesses der Aneignung von Wirklichkeit beschreiben könnte, um diese mögliche Funktion des Theaters mal aufzugreifen.

Wir sind zunächst in die Redaktion der Motz gefahren und haben uns mit Christian Linde, dem Mitherausgeber und Mitbegründer der Motz, getroffen. Er hat sich erstmal für die improvisierten Räumlichkeiten auf einem fabrikartigen Gelände entschuldigte. Als Theatermenschen wunderte uns das alles natürlich nicht, denn wir wissen oft ganz gut, wie man aus der Not heraus agiert und das eben keiner die Mietpreise senkt oder eine Sanierung übernimmt, nur weil man sich für eine gute Sache engagiert. Den Kopf voller Input und Gedanken kauften wir am Ende des Gespräches jeder fünf Exemplare der Motz. Der eigene Kapitaleinsatz lag bei 2 Euro (0,40 Euro pro Heft). Wenn es uns gelingen würde die Zeitschriften für jeweils 1,20 Euro (empfohlener Preis) zu verkaufen, konnte jeder 4 Euro verdienen. Viel wichtiger war uns jedoch eigene Gefühle zu reflektieren, die Reaktionen zu beobachten, auf die brisante finanzielle Situation der Künstler und Dramaturgen in der Öffentlichkeit aufmerksam zu machen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Ich fragte mich, ob sich in dieser ambivalenten Situation jeder überwinden wird? Ist es provokant, wenn ich mich gut gekleidet auf den Weg mache, um eine Obdachlosenzeitschrift zu verkaufen? Wird man mir eher zuhören und glauben, was ich zu berichten habe, weil ich mich aufgrund meiner Bildung gut ausdrücken kann? Fühlt sich der wirkliche Obdachlose, dem ich vielleicht begegne, verarscht? Bewerten mich die Menschen mit Blicken? Fühle ich mich unwohl oder gar minderwertig?

Die Feedbackrunde nach unserer U-Bahn-Fahrt hat im Ergebnis deutlich gezeigt, dass jeder Teilnehmer ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht hat. Einige wenige haben sich wirklich nicht getraut, weil das Schamgefühl zu grpß war, sie das alles sehr beschäftigt hat, oder sie tatsächlich in der U-Bahn einen Obdachlosen getroffen haben und es dann unangemessen fanden diesem Konkurrenz zu machen. Die Mehrheit ist meiner Beobachtung nach aber durch das Experiment gestärkt und ermutigt wurden, mit dem Thema an die Öffentlichkeit heranzutreten, weil die Menschen positiv reagiert haben.

Mir persönlich ist es leicht gefallen, die Leute offen damit zu konfrontieren, dass ich einen Universitätsabschluss und mehrere Jahre Berufserfahrung habe und trotzdem auf keinen grünen Zweig komme. Ich bin gut darin zu beschreiben, warum ich einen Zustand als sozial ungerecht empfinde und argumentiere gerne, wenn es darum geht sich für das Theater stark zu machen. Nach 20 Minuten hatte ich alle Exemplare verkauft und einige Leute haben ein paar Euro gespendet. Es gab insgesamt wenige ablehnende Reaktionen, einige mir-doch-egal Äußerungen und vereinzelt gezielte Aufforderungen weiter zu machen. Ich habe auch ausprobiert nur mit der Zeitung durch die U-Bahn zu laufen und zu fragen, ob jemand ein Exemplar kaufen will, und das hat als Verkaufsstrategie übrigens überhaupt nicht funktioniert. Die Leute wollen “beschäftigt” sein oder sind “beschäftigt” und man kämpft gegen Smartphones und Ohrstöpsel, um einen Funken Aufmerksamkeit.

Das brachte einen Teilnehmer auf die Frage, ob unsere Erfahrungen den Mitarbeitern der Motz helfen könnten einen Leitfaden für die Verkäufer zu entwickeln oder ob es sinnvoll wäre sich ehrenamtlich als (Verkaufs-)Mentor zu engagieren und Verkäufer zu schulen. Die Kommunikationsstrategien allein werden aber nicht alle Gründe der Abneigung, der potentiellen Käufer gegenüber dem Verkäufer überwinden können. Es bleiben Momente der Belästigung durch Geruch und Ungepflegtheit, wie es eine Teilnehmerin zu bedenken gab, oder Momente der Irritation durch Verwirrtheit und nicht “norm-konformen” Benehmens, wenn ein psychisch und physisch erschöpfter Mensch in seiner Not handelt.

Im Ergebnis war der Selbstversuch für mich eine Erfahrung, die mir helfen wird, menschlich geduldig zu bleiben. Die Fähigkeit sich in andere Menschen hineinversetzen zu können und der Wille, dies trotz aller Bedenken und Gegenargumente zu tun, sind für die Theaterarbeit weiterhin ganz entscheidend.

Konkrete Recherche im Selbstversuch

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Schlagwort: Konferenz konkret. Der praktische Workshop mit Helena Waldmann zu dem ich heute spontan aus wirklichem Interesse daran gegangen bin (eigentlich hatte ich mich für den Workshop “Das Stadttheater retten in drei Stunden” angemeldet), war eine tolle Erfahrung. Kurz gesagt haben wir im Selbstversuch die Obdachlosenzeitung Motz in der U-Bahn verkauft und die problematische finanzielle Situation der Künstlerinnen für einen kurzen Moment öffentlich gemacht, aber viel wichtiger waren die Beobachtungen, Erfahrungen und Gespräche danach. Das Gespräch vorab zur Situation von Obdachlosen in Berlin und der Geschichte des Vereins war auch sehr spannend und aktuell. Darüber werde ich in einem extra Beitrag im Detail berichten. Nicht mehr heute Nacht, aber in den nächsten 72 Stunden. Die Produktion “Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs” von Milo Rau in der Schaubühne am Lehniner Platz war anstrengend und bedarf ebenfalls einer Reflektion, aber nicht mehr heute Nacht. 

Sustainable? Dramaturgy Conference Summary Day I -Was heißt hier nachhaltig?

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Sonnenaufgang in Berlin Kreuzberg
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Gespräch: Über den Tellerrand: Politik und Theater europaweit mit u. A. Omer Krieger, Madli Pesti und Wojtek Ziemilski.

Nachtkritik aus Kreuzberg. Das Schöne an einer Konferenz bei der viel mehr Angebote gemacht werden als mal wahrnehmen kann ist, dass man nie alles mitbekommt. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit in meinem Fazit zum ersten Tag. Auch will ich mich kurz fassen und überspringe gleich mal die vielen Grußworte und den knappen historischen Rückblick. Das erste Format unter dem Titel World Café fand ich noch am kommunikativsten (deshalb auch am sinnvollsten?). Da traf man sich willkürlich in einer vierer Gruppe mit Leuten, die man noch nicht kannte (wenn man nicht geschummelt hat) zum kennenlernen und sprach locker über das Thema der Tagung.

Mit den Keynotes begann das lange zuhören. Ingolfur Blühdorn konnte man bei einem inhaltsreichen Vortrag zum Thema “Simulative Demokratie – Politisches Handeln im Zeichen der Post-Politik” gut folgen. Wenn ich das filtere war für mich wichtig, dass wir als Dramaturgen vielleicht doch nicht gut beraten sind, wenn wir sofort und ohne Verzögerung etwas tun wollen. Der Handlungsdrang sei löblich, aber bedenklich. Er geht soweit, dass unsere Demokratie gerade zu einer Belastungsprobe wird und wir uns in einer Vorkriegszeit befinden, wenn wir eingestehen das die bestehende Ordnung und unser Wohlstand nicht zu halten sind. Antworten, wie konkret seine Emanzipation zweiter Ordnung aussehen könnte hatte er nicht oder ich habe seine Thesen an dem Punkt nicht mehr verstanden. Das gleichnamige Buch könnte es wert sein, das nochmal nachzulesen.

Zum zweiten Keynote von Nikita Dhawan unter dem Titel “To Protest or Not to Protest? Dissident Politics and the Erotics of Resistance” kann ich nichts sagen. Ich habe nach 10 Minuten den Saal verlassen, weil Herr Blühdorn überzogen hatte (die Pause wurde entsprechend gestrichen) und ich Frau Dhawan, wegen des starken indischen Akzentes bei ihrem schnellen, runtergelesenen englischen Vortrag, auch trotz Mühe nicht folgen konnte. Ich brauchte wohl Sauerstoff und Kaffee.

Bei “Evros Walk Water” von Rimini Protokoll Infos zur Produktion findet man hier bin ich noch rein gerutscht. Das ist eine gut gemachte musikalischen Mitmachinstallation / auch Reenactment von John Cage’s Walk Water bei der Kinder einem über Kopfhörer von ihren Fluchtgeschichten erzählen. Zum Teil sehr bewegend, wenn man z.B. hört, dass die Boote unerwartet aufgeschlitzt werden, sobald ein Schiff in Sicht ist, obwohl einige Kinder an Bord nicht schwimmen können. (Es besteht die Pflicht zur Rettung in Seenot geratener Menschen und diese Tatsache nutzen die Schlepper .)

Dann ging es rüber zur Heinrich-Böll-Stiftung (kostenloser Kaffee, Äpfel, Kekse für uns schlecht bezahlte, denkende Köpfe – DANKE!!!) und das Gespräch “Über den Tellerrand: Politik und Theater europaweit” war gut. Ich würde mir mehr internationale Stimmen auf der Tagung wünschen, weil die Künstler/Innen in Polen, Israel, Russland etc. tatsächlich viel zum Thema sagen können/könnten. Die politische Stimmung neigt sich nach rechts und ist obendrein oft auch konservativ geprägt.

Das Format Tischgespräche war meine Enttäuschung schlechthin. Ich war an Tisch 1: Geflüchtete und Stadtgesellschaft – institutionelle und informelle Strukturen der Begegnungen in den Künsten. Miteinander gesprochen haben wir nicht. Vorgetragen haben die zwei Referenten fast so lange, bis die Zeit mal wieder um war. Arg. Berlin Mondiale kann man als gutes Modelprojekt nochmal googeln und sich zu Gemüte führen.

Wäre ich doch nur gleich zur AG Tanz gegangen. Dort war ich dann erst eine halbe Stunde vor Schluss und selbst das hat mir viel mehr gebracht als die vergangene Dreiviertelstunde am Tisch. Helena Waldmann sprach über ihre Arbeit “Made in Bangladesh” und hatte sofort meine volle Aufmerksamkeit. Ich habe die Tanzproduktion leider noch nicht live gesehen, aber den Gedanken die Belastungen und die Ausbeutung der Näher/Innen mit denen zu vergleichen, denen sich Tänzer/Innen aussetzen, finde ich hoch aktuell. Sie fragte in der Diskussion auch, was heißt hier nachhaltig, wenn wir Tanzproduktionen im Staattheater nur fünf mal spielen und dann absetzen? Wo wir doch wissen, dass die Probenzeit für Tanzer/Innen körperlich und psychisch eine wahnsinnige Herausforderung und die größte Belastung ist. Die Probenzeit ist oft viel intensiver als die eigentlichen Vorstellungen, aber sie wir schlechter bezahlt. Sie arbeitet frei, weil man dann  viel leichter die Chance hat, weltweit auf Tour zu gehen und eine Produktion im besten Fall vielleicht 30 oder 50 mal zeigen kann. Außerdem sei es sehr wichtig zu reflektieren, wie eine Produktion sich verändert und warum sie – wo – welche – Reaktionen auslöst. Das gleiche Problem / Phänomen hat mir um 23 Uhr in den Sophiensaelen einen junge Tänzerin in einem anderen Zusammenhang auch beschrieben. Die gezahlten Probenpauschalen in der freien Szene sind problematisch, zumal man nicht weiß, wie erfolgreich eine Produktion werden wird und ob sich das Abarbeiten lohnen wird. Das Risiko tragen die Künstler mit.

Damit komme ich zum letzten Programmpunkt heute. Dem Besuch der Vorstellung “Schönheitsabend” von den Performancekünstlern Florentina Holzinger und Vincent Riebeek. Infos zur Produktion findet man hier. Körperlich gefüllt ein absoluter Kontrastpunkt zur Konferenzstimmung, gleichwohl es inhaltlich passt. Inspiriert von queeren Tanzpaaren aus dem frühen 20. Jahrhundert und in die heutige Zeit übertragen – Klassischer Tanz bis Poledance bis Softporno.  Kann man nicht beschreiben. Muss man sich ansehen! Überraschend, mutig, provokativ? In Berlin sicher nicht, aber in Kassel schon…und weil das sehr spezielle Publikum überwiegend knapp bei Kasse ist, gab es ein sehr leckeres Buffet.

Noch Fragen? Die Diskussionen sind eröffnet…

Kopie von 20160129_194240
Sophiensaele in Berlin

 

Was tun.Politisches Handeln jetzt.

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Die Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft in Berlin ist in vollem Gange und ich bin seit gestern in Berlin unterwegs. Es folgen bis Sonntag kurze Updates und Impulsgedanken, sofern ich irgendwo Internet habe und zum SCHREIBEN komme.

Folgende Inszenierungen stehen auf jeden Fall auf meinem Programm:

“Judith” in der Regie von Frank Castorf in der Volksbühne

“Evros Walk Water” Konzeption Rimini Protokoll/Daniel Wetzel in der Box des Deutschen Theaters

“Schönheitsabend” umgesetzt von Florentina Holzinger und Vincent Riebeek in den Sophiensaelen

und “Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs” in der Regie von Milo Rau in der Schaubühne am Lehniner Platz

Sehen, hören, diskutieren…