Tag Archives: Festival

Theater der Welt Hamburg 2017

Gleich mal vorne weg: Ein Theaterfestival geht in einer Stadt wie Hamburg an einem sonnigen, verlängerten Wochenende gnadenlos unter. Die Leute quetschen sich auf die nächste Fähre gen Neumühlen und wollen am Elbstrand Bratwurst und Bier genießen oder an den Landungsbrücken Eis schlecken, oder oder oder…wen interessiert es eigentlich, dass hier gerade ein internationales Theaterfestival stattfindet? Sieht jemand die wenigen Plakate und Hinweiseschilder, die ich als theaterbegeisterte Besucherin oft vergeblich gesucht habe?! Ich habe also meinen Sonntag in Hamburg verbracht und mir gute sechs Stunden Theater angeschaut. Los ging es auf Kampnagel mit der Produktion “The Gabriels: Election year in the Life of one Family” des Public Theaters aus New York in der Regie von Richard Nelson. Was wurden da im ersten Teil Zwiebeln, Auberginen und Tomaten geschnippelt für das Ratatouille, Brot in Echtzeit gebacken, Salat gewaschen und angerichtet und Äpfel für den Apfel-Crumbel geschält. Mary Gabriel, gespielt von der wunderbaren Marylann Plunkett, really likes to make things und richtig: “you only learn by doing.” Wir Zuschauer lernen die interessante Nebenhandlung der Beziehungsverstrickungen und Gedanken zur politischen Entwicklung des Landes (USA) also nebenbei kennen, während wir in der Haupthandlung gefüllt selbst die Äpfel für den Crumble schälen. Das ist purer Theaterrealismus, der einen bisweilen einlullt und doch bei Laune hält. Denn man mag sie irgendwie, diese Gabriels, die ganz bodenständig und typisch amerikanisch daher kommen und (doch) etwas zu sagen haben, wenn man ihnen nur lange genug zuhört. Die Mittelschicht hat eine (politische) Meinung, sie wird eben nur oft nicht gehört, weil es erstmal lange Zeit nur um ganz “banalen” Lebensalltag geht, der gemeistert werden will. Im zweiten Teil  werden Nudeln gekocht, Kartoffeln für einen Kartoffelsalat geschält, George Gabriel, gespielt von Jay O. Sanders, macht eine leckere Guacamole und so weiter und sofort…nur gegessen wird nicht! Auch nach 3 Stunden hat noch keiner einen Bissen runter gekriegt. Stattdessen ist das Picknick für morgen vorbereitet und wandert in den vom Zuschauer bereits verhasten großen amerikanischen Kühlschrank (wieviele Zutaten sind da eigentlich drin, verdammt nochmal???). Man redet weiter über den verstorbenen und doch allseits präsenten geliebten Ehemann und Vater Thomas Gabriel. Auf einer Metaeben geht es zudem einerseits um Hillary Clinton und Donald Trump und andererseits Herman Melville und Nathaniel Hawthorne. Was die amerikanische Kultur und ihren Mythos vom Melting Pot im Innersten zusammenhält und/oder doch auch spaltet, bleibt merkwürdig unkonkret. Es ist ihnen fremd, diesen Amerikanern, einen mal vor den Kopf zu stoßen und den theatralen Bruch zu wagen…sie integrieren uns Zuschauer lieber bis zur Unerträglichkeit. Man bleibt dran…man will ja unbedingt verstehen, warum dieses Land so gewählt hat. Die Gabriels, als exemplarische amerikanische Familie, sind eine gute Versuchanordnung auf dem Theater, um die Umstände einiger weniger Menschen in einer so vielfältigen Gesellschaft, wie wir sie in den USA vorfinden, zu beschreiben. Keine Schwarz-Weiß-Malerei, keine Antworten…den dritten Teil konnte ich mir leider nicht mehr geben, weil ich mir im Kakaospeicher “An Act of now” von Chunky Move/Anouk van Dijk angesehen habe. Völlig anderes Theatererlebnis. Visuell überfordern und aufregend. Um die 550 Zuschauer mit Kopfhörern ausgestattet, werden in eine rießige Halle geleitetet. Stimmen flüstern einem Gedanken in die Ohren, während man sich mit der dunkel gekleideten Theatermasse durch den Nebel bewegt. “Don’t panic.  Don’t panic! You have to aks permission.” Nach einer kurzen zurückgelegten Strecke ist um die Ecke ein Glashaus zu sehen. Dahinter eine Tribühne von Stühlen, auf denen wir Platz nehmen sollen. Nun also doch eine Beobachterposition einnehmen, die eine klare Trennung zwischen Akteuren und Zuschauern formuliert. Schade. Es folgen Eineinhalbstunden energiegeladener Tanz von sieben Tänzer/innen in einem relativ kleinen Glashaus, zu dem ich als Zuschauer über meinen Kopfhörer einen vermeintlich “direkten” Draht habe. In den stärksten Momenten wirken die Tänzer/innen wie in extreme Bewegungen versetzte Kieselsteine, die im Treiben der Wellen immer wieder an Land gespült werden. Kopf, Arme und Beine drehend und sich im Kreis in einer Drehbewegung fortbewegend. In nicht enden wollenden Zirkeln aus Sprüngen und Hebungen in einem sehr begrenzten Raum, in dem jeder auf den anderen achten muss. Der Einsatz des Lichts und die an der linken Seite der Fabrikhalle erzeugten Schattenreflektionen der Tänzer/innen erinnern plötzlich an die Trainingssituation im Tanzstudio, bei der sie sich abmühen und doch nur Schatten ihrer selbst sind. Tänzer/innen die nicht als Individuen und Künstler wahrgenommen werden, sondern als bloße Körper. Körper, die als Grundlage das Material bilden, mit denen sich ein Choreograf auszudrücken versucht. Gesichter, die sich an die Glasscheiben des Hauses drücken und schreien, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben. Mehrmals habe ich meine Kopfhörer beiseite geschoben und überprüft, was mir die Realität erzählt…was höre ich in dieser Halle…wie direkt kann ich die sich abarbeitenden (Tänzer)Körper wahrnehmen. Verfalle ich zu sehr der Kraft der Dramaturgie der Tonspur(en)? Wie verhält es sich hier mit “Innen” und “Außen” und wann bin ich ausgestiegen und hatte sich der Effekt überholt? Denn so war es…Fragen über Fragen.

18892961_10154484682317073_8491426413774550901_n

Advertisements

The Travel Storytelling Festival

Hi! Are you a travel blogger and up for a new event and a spontaneous trip to Brussels in April?! Here is your chance. 9 days left to organize it! I just found out about the Travel Storytelling Festival and the brand new website in online now too. You can meet speakers who traveled arround the world, you can join workshops, concerts and photography exhibitions and on top of it all you will have a great time with inspiring people. “Mr. WoopWoop!” alias The Social Traveler or Bjorn Troch from Belgium is one of the speakers. I met him at the Teatro Hostel in Barcelona in 2015 and wanted to write about him anyway. Back then I just started this blog project and was a bit to shy or thought it would be silly to tell him, that I try to start something similar (with respect to the idea to make a living out of traveling and writing). Now you know Bjorn! I really like his project idea. He is on the road since 2010 and was cycling a tandem bike from Kuala Lumpur to Hong Kong for example. People follow and influence his travels around the world and the community sometimes gives him challenges. Check out is facebook profile for more details. I don’t know any of the other speakers (jet), but I’m sure it’s worse to check out some of their blogs. Anne-Laure Carruth and her friend (2 women!) for example traveled around the Mediterranean in 2014 to experience and document everyday life in North Africa and the Middle East. Dave Cornthwaite from the UK attracted my attention with his idea to undertake 25 non-motorised 1000+ mile journeys. I would love to join the festival, but will not be able to make it this year. Next time maybe. Till then ALL THE BEST!

Corinna