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Dear Dance… / Lieber Tanz…

Due to the ongoing project by the artists Duo Deufert & Plischke called “Just in time” I wrote a personal letter to Dance…(pic shows the room, where you can read letters to dance by other people…)

Dear Dance,

when we met in my hometown Magdeburg I was already 15 years old and thought I was to old for Ballet. I tried it out anyway and over the years I switched from classical Ballet to Modern Dance, to Jazz, to Lindy Hop and arrived at Hoop Dance.

Whatever style or workshop…I always enjoy movement. It’s like been freed from thinking. Unfortunately I always thought in all these years I would be to old to make it a profession. Still I somehow shifted from studing Theater Studies to studing Dance Studies and made all my exams in dance history at the end. Today I’m 33 and we are closer to each other then ever.

I watch dance productions, I (try to) write about dance, I reflect on working conditions in dance and I take days of from work to go to the Dance Platform in Germany. It takes time to learn more about you and to describe what happens, when you move people. You are patient and you are addictive. Thanks for every movement that you provoke in my head and in my body. It was not to late and it is never to late to meet you. It’s so awesome to know you. YOU ROCK!

Lot’s of Love

Corinna


Lieber Tanz,

als wir uns in Magdeburg begegneten war ich bereits 15 Jahre alt und dachte ich wäre zu alt für Ballett. Probiert habe ich es trotzdem – wechselte irgendwann vom klassischen Ballett zum Modern Dance, dann zum Jazz, machte einen Ausflug in den den Lindy Hop und bin gerade beim Hoop Dance angekommen.

Egal welche Stilrichtung und welcher Workshop…ich hatte immer große Freude an der Bewegung. Es ist eine Befreiung der Gedanken vom denken. Leider habe ich in all den Jahren immer gedacht ich wäre zu alt, daraus noch einen Beruf zu machen. Trotzdem wurde aus dem Studium der Theaterwissenschaft am Ende ein Studium mit Schwerpunkt Tanzwissenschaft. Heute bin ich 33 Jahre alt und wir sind uns näher denn je und treffen uns ein oder zweimal die Woche.

Ich beobachte Tanz, ich schreibe über Tanz, ich denke über Arbeitsbedingungen im Tanz nach und nehme mir frei, um hier auf der Tanzplattform sein zu können. Es braucht Zeit Dich kennenzulernen und zu beschreiben, was passiert, wenn Du Menschen bewegst. Du bist geduldig und Du machst süchtig. Danke für jede Bewegung, die Du im Kopf und im Körper auslöst. Es war nicht zu spät und es ist nie zu spät. Schön Dich zu kennen!

Deine Corinna

 

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Was ist (ist das noch) Tanz?

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Auf dem Industriegelände des Zollvereins (Unesco Welterbe!) kann man sich wunderbar verlaufen, aber man findet die Hallen dann doch irgendwie zur rechten Zeit der nächsten Veranstaltung. Seit Mittwoch gibt es hier in Essen – auf der Tanzplattform in Deutschland – Tanz aus der freien Szene zu sehen. Auf das „in“ wird viel wert gelegt, denn das Team ist angetreten die Tanzplattform Deutschland zu öffnen und globaler zu denken. Nach fünf von acht Vorstellungen für die ich Karten habe, ist meine Stimmung durchwachsen. Es ist mir glaube ich zu wenig „Tanz“ (für mein Verständnis von Tanz) auf der Bühne, gleichwohl es durch und durch um Tanz geht. Nun muss ich dazu sagen, dass ich gerade aus der Produktion „The Last ideal Paradise“ vom Theatercombinat Wien/Claudia Bosse komme und die Vorstellung nach ca. 1h20 verlassen habe. Was ich gesehen habe, war eine sperrige (gut gemeint würde man sagen: intellektuelle) performative Installation von Menschen in silbernen Anzügen und bunten Pullovern, die neben anderen Dingen in einer Lagerhalle angeordnet wurden. Den ethnologischen Diskurs / die Thematisierung von Kolonialismus fand ich schwierig und habe es wahrscheinlich auch nicht verstanden. Was hängen geblieben ist, ist der Satz: „Es handelt sich um eine gesamtgesellschaftliche Bewusstlosigkeit.“

Die Cocoondance Company mit „Momentum“ heute Vormittag hat mich da schon mehr interessiert. Wie es den drei zunächst vermummten Tänzern gelingt in so kleinen pulsierenden Bewegungen Spannung zu erzeugen und dies dann in einen raupenähnlichen Fortbewegungsmodus zu übersetzen war einfach faszinierend. Die Beweglichkeit in den Wirbelsäulen und in den Hüften sucht seines Gleichen und wir reden hier über gestandene männliche Kraftpakete – die durchaus auch als testosterongesteuert beschrieben werden können. Hier lag den auch die Schwäche der Inszenierung, denn die tänzerische Ekstase zu Elektrobeats bis zur totalen Erschöpfung läuft ins Leere.

Technisch überragend und sehr phantasievoll fand ich Rechard Siegals „Ballet of Difference“ gestern auf der großen Bühne des leider nur halb vollen Musiktheaters im Revier. Jede/r der Tänzer/innen besticht durch Eigenwilligkeit im körperlichen Ausdruck. Der Abend bestand aus zwei Teilen.  Die Kostüme mit ungewöhnlichen Luftpolsterversatzteilen im ersten Teil leiten dramaturgisch ein wenig in die Tierwelt – man denke an Insekten oder Salamander. Getanzt wird in Spitzenschuhen vor einer weiß leuchtenden Wand, was zum Teil dazu führt, dass man die Körper als schwarze Bewegungselemente wahrnimmt. Dann wieder tauchen die individuellen Gesichter im Licht auf. Klassische Technik wird wunderbar mit modernen Elementen kombiniert und bis Weilen auch parodiert und alle Hände sind dermaßen präsent. Im zweiten Teil ging es durch und durch um Rhythmus. In schwerem und lautem Schuhwerk wird von vier Tänzer/innen Sound erzeugt bis zum Höhepunkt mit dem Satz:“ Our ears are now in excellent condition.“

Soviel kurz zusammengefasst…ich muss gleich los nach Gelsenkirchen zur nächsten Vorstellung. Zu Claire Cunningham und Jess Curtis Abend „The way you look (at me) tonight“ schreibe ich nochmal einen extra Beitrag, weil die Thematik der Andersartigkeit so besonders ist.